Rede zum RROP: Ein Verfahren von großer Tiefe und Ernsthaftigkeit
Rede zum Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP)
Kreistagssitzung am 19.3.2026 – Franz‑Josef Kamp, Fraktionsvorsitzender
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir stehen heute am Ende eines außergewöhnlich langen und intensiven Planungsprozesses. Neun Jahre Beratung, drei Beteiligungsverfahren, unzählige Sitzungen, Vorbesprechungen und Abstimmungen – das RROP war eines der prägenden Themen unseres Landkreises im letzten Jahrzehnt. Vergleichbar in Umfang und Bedeutung mit Projekten wie der Arena, der Brücke, dem MOIN-Prozess oder dem Lüneburg-Vertrag. Ein ständiger Begleiter in nahezu jeder Fraktionssitzung.
Ein Verfahren von großer Tiefe und Ernsthaftigkeit
Der Landkreis hat als Träger der Regionalplanung die Aufgabe, die räumliche Entwicklung für die kommenden zehn Jahre zu ordnen und zu steuern. Das RROP umfasst Siedlungsentwicklung, Verkehr, Wirtschaft, Infrastruktur, Landschaftsschutz – und ja, auch die Windenergie, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Mittelpunkt steht.
Wir haben drei Beteiligungsverfahren durchgeführt.
Im letzten Verfahren zum 3. Entwurf gingen 124 Stellungnahmen ein. Die Abwägungssynopse zeigt detailliert, wie ernsthaft und sorgfältig jede einzelne Anregung geprüft wurde. Auch dort, wo Belange präkludiert waren, hat die Verwaltung teilweise dennoch geantwortet, um die Bewertung transparent zu machen. Das ist gelebte Beteiligungskultur.
Dank an Verwaltung, Fachdienst und alle Fraktionen
Ich möchte mich ausdrücklich bedanken:
- bei allen Fraktionen für die konstruktive Zusammenarbeit,
- bei der Verwaltung für die fachliche Tiefe,
- und besonders bei Frau Panebianco und ihrem Team, die mehrere tausend Seiten Material aufbereitet, bewertet und in ein konsistentes Gesamtwerk überführt haben.
Wir waren uns nicht immer einig – aber wir haben gemeinsam ein präsentables, tragfähiges Regelwerk geschaffen.
Windenergie – ein schwieriger, aber verantwortungsvoller Kompromiss
Die Windenergie war der emotionalste Teil des RROP. Ursprünglich standen über 4 % der Kreisfläche im Raum. Wir haben dafür gesorgt, dass es nun 3 % sind. Das letzte Prozent wird – so erwarten wir – über die Öffnungsklausel bis 2033 erreicht.
Besonders wichtig war uns der Schutz der Menschen.
Deshalb haben wir einen Abstand von bis zu 1 km zu Siedlungen verankert – deutlich mehr als der gesetzliche Mindeststandard. Das ist ein klares Signal: Energiewende ja, aber nicht auf Kosten der Lebensqualität.
Ein 3 %-Ziel war nur erreichbar, wenn auch Waldflächen einbezogen werden. Auch hier sind wir verantwortungsvoll vorgegangen und haben Flächen herausgenommen, die zwar möglich, aber ökologisch nicht vertretbar gewesen wären. Mein Dank gilt auch den Bürgerinitiativen, die kritisch, aber konstruktiv begleitet und an vielen Stellen unseren Blick geschärft haben.
Regionale Verteilung – ein Punkt, der bleibt
Ich sage offen: Die Konzentration der Flächen auf die drei Samtgemeinden Ostheide, Gellersen und Dahlenburg halte ich persönlich für zu hoch. Eine gerechtere Verteilung wäre wünschenswert gewesen. Doch Biosphärenreservat, Truppenübungsplatz und andere Restriktionen lassen uns wenig Spielraum.
Unbefriedigend bleibt zudem, dass die Nachbarkreise Uelzen und Harburg an unseren Grenzen Windparks planen, ohne dies mit uns abzustimmen. Das ist ein strukturelles Problem, das wir auf Landesebene adressieren müssen.
Ein Regelwerk für die nächsten zehn Jahre
Trotz aller Kritikpunkte sehen wir im vorliegenden RROP ein gutes, solides und zukunftsorientiertes Regelwerk. Es schafft Planungssicherheit für Kommunen, Wirtschaft, Infrastruktur und Naturschutz. Es ist ein Fundament, auf dem wir die nächsten zehn Jahre aufbauen können.
Ich bin gespannt, welche wirtschaftlichen Impulse sich daraus ergeben – für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und regionale Entwicklung.
Abschließende Bewertung
In der SPD-Fraktion gibt es keinen Fraktionszwang. Wir ringen immer um die beste Lösung. Bei einem so komplexen Thema ist es nachvollziehbar, dass nicht alle Kolleginnen und Kollegen zustimmen werden. Aber wir respektieren unterschiedliche Bewertungen – das ist gelebte Demokratie.
Für mich persönlich überwiegt die Verantwortung, den Landkreis gut aufzustellen.
Deshalb stimmen wir dem RROP zu.
Vielen Dank.