Antrag der SPD-Kreistagsfraktion an den Kreistag am 25. Juni 2026

Tagespflege + (plus) = Vernetzungsförderung in Tagespflegeeinrichtungen

Zur Sitzung des Kreistages stellt die SPD-Fraktion folgenden Antrag: 

Den Tagespflegeeinrichtungen im Landkreis Lüneburg wird die Möglichkeit geboten, durch einen zu beantragenden einmaligen Zuschuss individuelle rezeptpflichtige Therapien für ihre Tagesgäste (PG 2-5) anzubieten. Diese Therapien werden von einem interdisziplinären Team aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und/oder Logopäden in der jeweiligen Einrichtung durchgeführt. 

Für die Ausstattung eines notwendigen Praxisraumes innerhalb der Tagespflegeeinrichtung stellt der Landkreis Lüneburg auf Antrag bis zu 5.000 € zur Verfügung. Hierfür muss ein Kooperationsvertrag mit einer Therapiepraxis vorgelegt werden.

Begründung 

Tagespflegeeinrichtungen werden, neben Pflege-Wohngemeinschaften, absehbar das Rückgrat der wohnortnahen pflegerischen Versorgung von älteren (PG 2-5), aber auch von jüngeren pflegebedürftigen Menschen werden. 
Eine vollstationäre Pflege im Heim ist schon gegenwärtig, nicht nur aufgrund fehlenden Personals, für viele Menschen aller Altersgruppen, die auf 24-Stunden-Betreuung angewiesen sind, keine Option mehr. Die Kosten für einen Heimplatz übersteigen seit Jahren die finanziellen Möglichkeiten der meisten Patienten, resp. die ihrer Angehörigen, und sie werden weiter steigen. 

Wenn Pflege und Betreuung zukünftig, und alle Prognosen deuten darauf hin, verstärkt familiär organsiert und geleistet werden muss, bahnt sich auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ein nicht zu unterschätzender Kollateralschaden an. Werden Angehörige zu Pflegenden, fehlen sie dem Arbeitsmarkt. Berufstätigkeit, selbst in Teilzeit, kombiniert mit der Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen führt nachgewiesenermaßen zu frühen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die große Zahl der absehbar zu pflegenden älteren Menschen kann deshalb aus arbeitsmarkt- und gesundheitspolitischen Gründen nicht voll umfänglich aus dem häuslichen Umfeld versorgt werden. 

Tagespflegen müssen daher so ausgebaut werden (z. B. 7-19 Uhr in zwei Schichten), dass pflegende Angehörige durch sie eine wirkungsvolle Unterstützung bekommen, die ihnen ermöglicht, einer geregelten Erwerbstätigkeit nachzugehen, nötige Erholungszeiten wahrzunehmen und soziale Kontakte nicht vollständig aufzugeben.

Therapiegeeignete Räumlichkeiten sind i.d.R. in Tagespflegeeinrichtungen vorhanden, es fehlt aber an Infrastruktur für die therapeutische Arbeit. Ein erster und wichtiger Schritt im Sinne des Leitziels der ReKAP, d. h. möglichst langer aktiver Häuslichkeit und der Vermeidung von stationärer Pflege ist es somit, Tagespflege + Physio-Logo-Ergotherapie unter einem Dach anzubieten. 

Die Tagespflege + unterstützt somit unmittelbar nach einem Krankenhausaufenthalt eine Re-Mobilisierung und Rekonvaleszenz, d.h. Vermeidung von unnötig verlängerter Bettlägerigkeit. Sie ermöglicht die unverzügliche krankengymnastische/logopädische/ ergotherapeutische Anschlussbehandlung. Für die Angehörigen entfallen Zeitfresser wie Praxissuche, Terminfindungen und Begleitfahrten zu Behandlungen. Die Tagespflege + bietet Senioren und pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit zu genesen, ohne dass sie soziale Brüche erfahren zu müssen.

Mittelfristig sollen auch Maßnahmen der Körperhygiene, Fußpflege + Friseurleistungen während des Tagespflegeaufenthalts in Anspruch genommen werden können. 

Langfristig müssen Tagespflegeeinrichtung in den Mittelpunkt der sozialpolitischen Anstrengungen im Landkreis genommen werden, dies umso mehr, als sie auch geeignet sind, über Ehrenamts-Netzwerke und Kooperationsmodelle sozial-integrative Leistungen mit anzubieten.