Digitalisierungs- und KI-Strategie: Da müssen wir intensiv weitermachen
Rede des Fraktionsvorsitzenden Franz-Josef Kamp in der Kreistagssitzung am 25.6.2026 zum Thema:
Digitalisierungs- und KI-Strategie des Landkreises Lüneburg
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir beraten heute über die Digitalisierungs- und KI-Strategie des Landkreises. Erst einmal Danke das diese Thema endlich aufs Tablet kommt. Aber ich sage es offen: Wir sind spät dran. Viel zu spät.
Während andere Verwaltungen längst digitale Standards leben, kämpfen wir noch immer mit Grundsatzfragen, Zuständigkeiten und Strukturen, die nicht ins Jahr 2026 passen.
Das eigene Audit spricht eine deutliche Sprache. Dort heißt es: Ich zitiere mal aus ihren Papieren.
„Eine übergreifende Digitalisierungsstrategie für die gesamte Verwaltung fehlt.“
Und weiter:
„Die Datennutzung ist stark bereichsabhängig, ein übergreifendes Datenmanagement fehlt.“
Das ist kein Schönheitsfehler. Das ist ein strukturelles Problem.
Und deshalb müssen wir heute eines klarstellen:
- Digitalisierung ist nicht das Umwandeln von Word-Dateien in PDFs.
- Digitalisierung ist nicht das Zeichnen von Geschäftsprozessen in Schwimmbahnen, die dann in Schubladen verschwinden.
- Digitalisierung ist nicht das Aneinanderreihen von Projekten, die nebeneinander herlaufen, ohne dass sie die Verwaltung wirklich verändern.
Digitalisierung bedeutet:
- Arbeitsabläufe neu denken, nicht nur digital abbilden
- Daten intelligent nutzen, statt sie in Silos zu lagern
- Entscheidungen faktenbasiert treffen, statt nach Bauchgefühl
- Bürgerinnen und Bürgern echten Service bieten, statt digitale Fassaden zu bauen
- Mitarbeitende entlasten, statt ihnen neue Insellösungen aufzubürden
Wir haben engagierte Mitarbeitende, wir haben moderne Technik, wir haben sogar einen GPU Server für KI Anwendungen. Aber was fehlt, ist das Entscheidende: Tempo. Konsequenz. Führung.
- Wir verwalten die Digitalisierung – wir gestalten sie nicht.
- Wir reagieren – wir agieren nicht.
- Wir dokumentieren – aber wir transformieren nicht.
Und das ist gefährlich.
Denn eine Verwaltung, die den digitalen Wandel verschläft, verliert nicht nur Effizienz.
- Sie verliert Vertrauen.
- Sie verliert Anschluss.
- Sie verliert Handlungsfähigkeit.
Wir brauchen endlich eine Verwaltung, die Digitalisierung nicht als Zusatzaufgabe versteht, sondern als Grundvoraussetzung für ihre Zukunft.
- Wir brauchen Führungskräfte, die vorangehen – nicht abwarten.
- Wir brauchen Fachbereiche, die Verantwortung übernehmen – nicht Verantwortung weiterreichen.
- Und wir brauchen eine Politik, die Prioritäten setzt – nicht nur Strategien beschließt.
Deshalb sage ich klar:
Wir müssen schneller werden. Wir müssen verbindlicher werden. Wir müssen mutiger werden.
Nicht morgen. Nicht nächstes Jahr. Jetzt.
Letzte Woche hörte ich ein Sonderbericht im NDR 2 zur KI und wie es weiter gehen könnte, es gab dort Wissenschaftler, die davon ausgehen, das in 10 Jahren humanoide Roboter unserer Arbeiten verrichten und wir zuhause sitzen. Ich hoffe nicht, dass der Landkreis dann immer noch im Prozess ist.
Die Strategie, über die wir heute entscheiden, ist ein Anfang. Aber sie wird nur dann Wirkung entfalten, wenn wir sie nicht als Papier verstehen, sondern als Auftrag. Dazu hatten wir ja auch entsprechende Anträge gestellt.
Ein Auftrag, der uns verpflichtet.
Ein Auftrag, der uns fordert.
Ein Auftrag, der uns endlich in die Lage versetzt, eine moderne, leistungsfähige und bürgernahe Verwaltung zu sein. Da müssen wir intensiv weiter machen.